Vom Lehrbuch in die Realität – Die Biologie-Leistungskurse erleben Ökosysteme im Zoo Leipzig hautnah

Am 15. September 2026 ging es für die beiden Biologie-Leistungskurse der 12. Klasse vom Gymnasium Gleichense auf eine ökologische Exkursion in den Zoo Leipzig. Begleitet wurden wir dabei von unseren Biologielehrkräften Herrn Scheidemann und Frau Ender sowie der Studentin Frau Meister. Im Mittelpunkt des Tages stand die Frage, wie Tiere an ihre jeweiligen Lebensräume angepasst sind und inwiefern sich ihre natürlichen Lebensbedingungen in einem Zoo nachbilden lassen. Dafür wollten wir verschiedene Tiearten genauer beobachten und die ökologischen Zusammenhänge, die wir bisher vor allem aus dem Unterricht kannten, direkt vor Ort untersuchen.

Los ging es am frühen Morgen am Gothaer Bahnhof. Da nicht alle über ein Deutschland-ticket verfügten, reisten wir in zwei Gruppen mit unterschiedlichen Zugverbindungen nach Leipzig. Dort angekommen nutzten wir die Zeit, um uns das kurz zuvor neu eröffnete Feuerland anzusehen. Besonders der große Unterwassertunnel, durch den wir die Pinguine beim Schwimmen beobachten konnten, sorgte für interessante erste Eindrücke.

Anschließend ging es an den eigentlichen Schwerpunkt unserer Exkursion. Bereits im Vorfeld hatten wir uns in sechs Gruppen aufgeteilt, die jeweils ein bestimmtes Ökosystem, das heißt alle belebten und unbelebten Einflüsse, und mindestens zwei darin vorkommende Tierarten genauer untersuchen sollten. Dabei beschäftigten sich einige von uns beispielsweise mit den Tieren der afrikanischen Savanne, darunter Giraffen, Zebras und Löwen, und deren Anpassungen an Hitze und Trockenheit. Andere Gruppen untersuchten das Sozialverhalten der Menschenaffen im Pongoland oder die Lebensbedingungen der Tiere im tropischen Gondwanaland. Weitere Untersuchungsgebiete waren der Elefantentempel, die asiatischen Lebensräume und die südamerikanische Tierwelt. Hier standen unter anderem die Ansprüche der Tiere an ihre Umgebung, das Zusammenleben verschiedener Arten und ihre besonderen Anpassungen im Mittelpunkt.

Eine unserer wichtigsten Aufgaben bestand darin, zwei ausgewählte Tiere über einen Zeitraum von 20 Minuten genau zu beobachten und ihr Verhalten zu protokollieren. Dabei achteten wir beispielsweise darauf, wie häufig sich die Tier bewegten, fraßen, ruhten oder mit Artgenossen interagierten. Gleichzeitig nahmen wir auch die Gestaltung der Gehege genauer unter die Lupe. Schließlich sollten wir später beurteilen, inwiefern die künstlich geschaffenen Lebensräume den natürlichen Bedürfnissen der Tiere gerecht werden. Viele der benötigten Informationen konnten wir direkt den Infotafeln im Zoo entnehmen.

Während der Bearbeitung unserer Aufgaben blieb natürlich auch Zeit, die Umgebung zu erkunden. Auf dem Weg zu unseren jeweiligen Untersuchungsgebieten begegneten wir zahlreichen weiteren Tierarten und konnten viele Eindrücke sammeln. Besonders interessant war es, Tiere, die man sonst hauptsächlich aus Schulbüchern, Dokumentationen oder dem Internet kennt, einmal aus nächster Nähe zu erleben. Nachdem alle Gruppen ihre Beobachtungen abgeschlossen hatten, konnten wir den Zoo auf eigene Faust weiter erkunden und uns die Bereiche ansehen, für die zuvor noch keine Zeit gewesen war.

In den letzten beiden Stunden vor der Rückfahrt hatten wir schließlich die Wahl, noch etwas länger im Zoo zu bleiben oder die Leipziger Innenstadt zu erkunden und uns etwas zu essen zu holen. Gegen 15 Uhr trafen wir uns alle wieder am Leipziger Hauptbahnhof. Nach einer kurzen abschließenden Besprechung teilten wir uns erneut in unsere beiden Reisegruppen auf und machten uns auf den Rückweg nach Gotha, wo unsere Exkursion schließlich endete.

Mit dem Zoobesuch war unsere Arbeit allerdings noch nicht abgeschlossen. In den da-rauffolgenden Wochen hatten wir Zeit, unsere Beobachtungen auszuwerten, weitere Informationen zu recherchieren und die Ergebnisse in Form eines Portfolios, Podcasts oder Erklärvideos zusammenzufassen. So konnten wir unsere Eindrücke mit dem bereits erlernten Fachwissen verknüpfen und uns intensiver mit den ökologischen Zusammen-hängen beschäftigen.

Die Exkursion war also weit mehr als nur ein Tag außerhalb des Klassenzimmers. Sie bot uns die Möglichkeit, theoretisches Wissen praktisch anzuwenden, eigene Beobachtung-en durchzuführen und wissenschaftliches Arbeiten zu üben. Gleichzeitig wurde uns bewusst, wie unterschiedlich die Ansprüche einzelner Tierarten an ihren Lebensraum sind und welche Bedeutung der Arten- und Naturschutz hat. Auch die Frage, wie gut ein Zoo die natürlichen Lebensbedingungen der Tiere nachbilden kann, konnten wir dadurch aus einer anderen Perspektive betrachten.

Insgesamt war es ein abwechslungsreicher und interessanter Tag, an dem wir nicht nur viel über die Tierwelt gelernt haben, sondern auch Erfahrungen sammeln konnten, die im normalen Biologieunterricht so nicht möglich gewesen wären.

von Henning Falk und Amy Ortlepp