Auszeichnung für Erinnerungsarbeit: „Pfad des Gedenkens“ des Gymnasiums Gleichense erhält Thüringer Demokratiepreis

Erfurt/Ohrdruf. Große Spannung, aufgeregte Blicke und zittrige Hände: Als am Abend des 12. Mai in Erfurt die Hauptpreise des 12. Thüringer Demokratiepreises verliehen wurden, warteten Paula Meister, Johanna Oßwald, Amy Ortlepp, Josi Stichling, Joe Räpple und Nils Stein, Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Gleichense Ohrdruf, gespannt auf die Entscheidung der Jury. Zwischen zahlreichen engagierten Initiativen aus ganz Thüringen ahnte die Projektgruppe zwar, dass ihre Arbeit Aufmerksamkeit erhalten hatte – doch als schließlich der Name „Pfad des Gedenkens fiel und der 2. Hauptpreis, dotiert mit 2.000 Euro, verkündet wurde, war die Freude überwältigend.

Der Preis wird im Rahmen des Thüringer Landesprogramms für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit vergeben und würdigt Menschen und Projekte, die sich mit besonderem Einsatz für eine demokratische und offene Gesellschaft engagieren. Dass in diesem Jahr ein Schulprojekt ausgezeichnet wurde, unterstreicht die Bedeutung der Erinnerungsarbeit junger Menschen.

Das Projekt „Pfad des Gedenkens ist ein Erinnerungs- und Kunstprojekt des Gymnasiums Gleichense Ohrdruf, das im Kunstunterricht sowie in der Arbeitsgemeinschaft „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage unter Leitung von Frau Benger-Neumann entstanden ist. Es widmet sich einem sensiblen Kapitel regionaler Geschichte: dem ehemaligen Außenlager S III des Konzentrationslagers Buchenwald in Ohrdruf, Crawinkel, dem Jonastal und in Espenfeld. Ziel ist es, die oftmals kaum sichtbaren Orte des Leidens und der Zwangsarbeit wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, den ehemaligen Häftlingen zu gedenken und ihnen so Würde zu erweisen.  Hierfür gestalten Schülerinnen und Schüler Kunstwerke, die an den historischen Orten aufgestellt werden. Eine Website bietet zudem die Möglichkeit mehr über den historischen Hintergrund und die Werke zu erfahren.

Das Gymnasium übernimmt damit eine besondere Verantwortung. Den Impuls für das Projekt gab der Historiker Dr. Christoph Mauny, der seit Jahren auf eine von ihm benannte „Erinnerungslücke im Umgang mit den ehemaligen Lagerstandorten in der Region hinweist. Das Gymnasium Gleichense griff diese Initiative auf und entwickelte den „Pfad des Gedenkens – ein Projekt, das historische Orte wieder sichtbar machen und Erinnerung aktiv gestalten will. Dr. Mauny war auch bei der Preisverleihung anwesend. Vieles sei heute kaum sichtbar oder im öffentlichen Bewusstsein präsent. Genau hier setzt der „Pfad des Gedenkens“ an: Die Schule will Geschichte nicht nur vermitteln, sondern aktiv sichtbar machen und jungen Menschen ermöglichen, Verantwortung für Erinnerungskultur und demokratische Werte zu übernehmen.

Für einen besonderen Moment des Abends sorgte die Würdigung des Projekts in der Rede von Holger Obbarius von der Gedenkstätte Buchenwald. Er hob hervor, wie bedeutsam es sei, dass junge Menschen selbst Verantwortung übernehmen, lokale Geschichte erforschen und Erinnerungsorte schaffen. Gerade die Verbindung von historischer Aufarbeitung und künstlerischer Gestaltung mache den „Pfad des Gedenkens“ zu einem außergewöhnlichen Beispiel demokratischer Bildungsarbeit.

Für die beteiligten Schülerinnen und Schüler bedeutet die Auszeichnung weit mehr als Anerkennung – sie ist zugleich Bestätigung und Motivation. Schüler Joe Räpple beschreibt die persönliche Bedeutung der Arbeit so: „Das Projekt bedeutet mir sehr viel, weil es mir die Möglichkeit bietet, andere Leute über dieses Thema aufzuklären und ein Gedenken an die ehemaligen Häftlinge zu schaffen – obwohl ich selbst vor diesem Projekt nichts davon wusste.

Auch Paula Meister blickt bewegt auf den Abend zurück: „Für mich ist es eine große Ehrung, dass wir diesen Preis bekommen haben und vor allem von anderen Leuten mit ebenfalls tollen Projekten dazu ermutigt wurden, weiterzumachen. Besonders beeindruckt habe sie die Begegnung mit anderen Engagierten: „Es war unglaublich schön zu sehen, dass es so viele dieser Projekte gibt – und vor allem Menschen, die denselben Gedanken wie wir hatten und etwas ändern wollten. Die Gespräche und Redebeiträge hätten Mut gemacht und gezeigt, wie viel einzelne Menschen bewirken können.

Für Amy Ortlepp ist der Preis gleichermaßen Anerkennung und Auftrag: „Der zweite Hauptpreis beim 12. Thüringer Demokratiepreis bedeutet uns sehr viel, weil er zeigt, dass unsere Arbeit und unser Einsatz gesehen und wertgeschätzt werden. Die Auszeichnung motiviere die Arbeitsgemeinschaft, weiter am Aufbau der Werke zu arbeiten und das Projekt bekannter zu machen. „Außerdem betont die Auszeichnung, wie wichtig Erinnerungskultur und demokratische Werte auch heute noch sind, so die Schülerin.

Besonders stolz zeigt sich Projektleiterin Frau Benger-Neumann über das Engagement und Durchhaltevermögen ihrer Schülerinnen und Schüler. Ihr Dank gilt insbesondere der Stadt Ohrdruf für die tatkräftige Unterstützung. Zugleich hofft sie auf eine gute Zusammenarbeit mit Arnstadt sowie auf einen baldigen Aufbau der Werke im Jonastal und in Espenfeld.

Mit dem Thüringer Demokratiepreis erhält der „Pfad des Gedenkens“ nicht nur eine bedeutende Würdigung, sondern auch Rückenwind für die nächsten Schritte. Denn das Anliegen des Projekts bleibt klar: Erinnerung sichtbar machen, historische Verantwortung übernehmen und zeigen, dass demokratisches Engagement direkt vor der eigenen Haustür beginnt.

Weitere Informationen zum Projekt finden Interessierte auf der Website www.pfad-des-gedenkens.de