Mit dem Ballon in die Geschichte – Das DDR-Projekt des Religionskurses

Im März widmeten sich die Religionsschüler der 11. und 12. Klasse mit Frau Pohl einem umfassenden Projekt, in welchem sie sich mit der gar nicht so fernen Geschichte der DDR befassten (Anm.: inhaltlich ist das Projekt im Gebiet Anthropologie Thema Freiheit einzuordnen). Ein wichtiger Bestandteil des Projektes war der 2018 veröffentlichte Film „Ballon“ von Michael „Bully“ Herbig, welcher die reale Flucht der Ostfamilien Strelzyk und Wetzel in den Westen zum Inhalt hatte. Wir, als Schüler des Religionskurses, hatten zuvor die Aufgabe, uns mit der eigenen Familiengeschichte und den verschiedenen Meinungen zum damaligen Staatssystem der DDR zu befassen. Danach schauten wir uns den Film an. Anschließend werteten wir den Inhalt aus. Uns stand in den Videokonferenzen ein Spezialist zu Seite. Dr. Matthias Wanitschke, Theologe und Stasi-Experte (Bildungsreferent beim Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur), half uns als Ansprechpartner das Thema zu verstehen und aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Mit ihm wurden verschiedene Arbeitsmaterialien bearbeitet und innerhalb der anderthalbstündigen Sitzungen kollektiv ausgewertet. Das ganze Projekt musste aufgrund der momentan geltenden Corona-Reglungen online stattfinden, was sich zwar zuvor als organisatorische Herausforderung herausstellte, jedoch gut bewältigt werden konnte. (Wir durften als Gäste in Zoom-Konferenzen beim THLA teilnehmen)

Viermal setzten sich die interessierten Schüler mit dem Experten zusammen und tauchten immer tiefer in die Thematik ein, die für uns ja schon Jahrzehnte zurückliegt und von denen uns bisher privat nur Eltern und Großeltern berichteten. Wir sollten uns Fragen ausdenken, denn am 6. Mai gipfelte das Projekt in einem Interview mit Günter Wetzel. Er war derjenige, der den Ballon, wie im Film zu sehen war, in vielen Stunden heimlich zusammennähte, mit welchem letzten Endes die Flucht für die 2 Familien aus der DDR gelang. Die Mitglieder des Religionskurses ließen sich diese Chance nicht entgehen und stellten tiefgründige zahlreiche Fragen, welche von Günter Wetzel offen und mit großen Emotionen beantwortet wurden.

Wir haben viel gelernt über die schwierige Situation, in der sich Menschen befanden, die in der DDR keine Zukunft sahen und konnten aus dem umfangreichen Projekt für uns selbst viel mitnehmen. Es war ein kurzer spannender Exkurs in die Geschichte, welche auch mit einem Heißluftballon erfolgen kann.

Wir danken Herrn Dr. Wanitschke, Günter Wetzel und Frau Pohl für diese Möglichkeit, die DDR- Geschichte besser kennenzulernen.

Victoria Voigt GK Religion 11

 

Zitate aus den Rückmeldungen der Schüler zum Projekt:

– … war es sehr cool mal jemanden zu fragen wie es so war in dieser Zeit, da wir als 2000er Kinder es nicht nachvollziehen können. (JHo)

– … Und die letzte Videokonferenz war auch sehr interessant und auch ziemlich spannend mit dem Ballonflüchtling. (LM)

– … Man hat viele Informationen über die DDR und die Stasi erhalten. Der Herr Günter Wetzel hat auch die Fragen sehr offen und ehrlich beantwortet. (JHi)

– … Außerdem bleibt auch eine gewisse Dankbarkeit für die heutigen „Freiheiten“ und Verhältnisse (unabhängig von Corona) zurück bzw., dass man die Dinge die man hat mehr schätzt. (LO)

– …  jedoch muss ich sagen, dass das Zeugengespräch mit Günter Wetzel mein absolutes Highlight war. Ich fand es wirklich sehr cool, mit einer Person wie ihm zu sprechen. Ebenfalls war er sehr herzlich und nett, was es natürlich einfacher machte befreit Fragen zu stellen. (LS)

– … Ich war zwar zuerst ein bisschen skeptisch, was die technische Umsetzung des Projektes anging, aber das hat alles recht problemlos funktioniert.

Ich kann es anderen Schülern nur empfehlen. (LS)

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