Geschichte hautnah erleben
Projektfahrt zum Thema „Auswanderung“ führte Schüler des Gymnasium Gleichense nach Bremerhaven.
von Carolin Ehmel
Die Weser, Möwen und Plattdeutsch - das ist Bremerhaven. Doch diese Stadt hat noch viel mehr zu bieten. Dies durften die Schüler der 11. Klasse des Ohrdrufer Gymnasiums bei einer Exkursionsfahrt zum Thema Auswanderung selbst herausfinden.
Das Auswanderer-Projekt begann jedoch schon im September. 16 Schüler dieses Jahrgangs waren auf der Einwanderer-Insel „Ellis Island“ in New York und recherchierten dort über deutsche Auswanderer und bekannte Schicksale von Menschen der Region Ohrdruf. So bekamen sie einen Eindruck, was die Auswanderer über sich ergehen lassen mussten, als sie das erste Mal amerikanischen Boden betraten und was sie auf sich nehmen mussten, wenn sie nicht den strengen Anforderungen der amerikanischen Behörden gerecht wurden.
Am 15. November führte die Schüler der zweite Teil der Exkursion an die Nordsee. Bremerhaven war zwischen 1830 und 1974 für über sieben Millionen Menschen der Ausgangspunkt einer Reise in ein neues Leben. Somit spielt die Stadt in der Auswanderergeschichte Deutschlands die größte Rolle.
Da die Schüler das Projekt vor allem im Englischunterricht behandeln, wurden sie von ihren zwei Englischlehrerinnen Frau Vogt und Frau Müller begleitet. Frau Jäger reiste als Geschichtslehrerin zur Unterstützung hinsichtlich geschichtlicher Fragen mit.
In der Jugendherberge Bremerhaven wurden nach der Ankunft die Aufgaben erteilt und die Gruppen für die bevorstehenden Arbeiten gebildet, bevor in einer intensiven Arbeit erste Zusammenhänge zu Ursachen der Auswanderung deutlich wurden. Am Dienstag stand der Besuch des Deutschen Auswanderer Hauses auf dem Programm.
In diesem interaktiven Museum ist der Weg der Emigranten, angefangen vom alten Leben in Deutschland, über die Zeit im Hafen, auf dem Schiff, bis nach Amerika und ins neue Leben beschrieben. Durch lebensnahe Wachsfiguren und Kulissen wird die Problematik der Auswanderung sehr emotional dargestellt.
Es gibt viele Hörstationen, an denen man Kommentare und Geschichten einzelner Emigranten verfolgen kann. „Das Besondere ist, dass man in diesem Museum die ganze Problematik an Einzelschicksalen kennen lernt. Man erfährt etwas über ihr altes Leben und den oft langen und beschwerlichen Weg in das neue Leben. Einige dieser Menschen leben noch heute und konnten so bei der Aufklärung ihrer Schicksale helfen. Weil Geschichte an reellen Personen erlebbar wurde, ist sie einfacher nachvollziehbar, als über sie lediglich im Geschichtsbuch zu lesen “, sagte Anika Jerate, welche sehr begeistert aus dem Auswanderer Haus kam.
In einem Workshop zum Thema „Jüdische Auswanderung“ erfuhren die Schüler mehr über das doch auch sehr schwierige Thema. Sie arbeiteten an Plakaten über die Schicksale, die in der Ausstellung gezeigt wurden und präsentierten diese später.
Nach diesem sehr beeindruckenden Besuch ging es am nächsten Tag wieder an das Weserufer in Bremerhaven und die Schüler konnten die Zeit für sich nutzen. Am Abend arbeiteten die Schüler wieder an den Aufgaben zum Projekt.
Leider, war der Ausflug am Donnerstag wieder vorbei und es ging mit dem Bus wieder Richtung Heimat. Das Projekt ist jedoch noch nicht vorbei, im Englischunterricht werden die Elftklässler Vorträge halten und mit ihren Lehrern eine Dokumentation zum Thema vorbereiten. Diese wird zum Tag der offenen Tür am 12. Februar 2011 ausgestellt und präsentiert. So kann man sagen, dass das von Bundesgeldern gestützte Projekt zum Thema „Auswanderung“ ein voller Erfolg war und allen viel Spaß bereitet hat. Wer mehr über die Ausarbeitungen erfahren will, ist herzlich zum Tag der offenen Tür am Gymnasium Gleichense eingeladen.

